Beeinflussbare Faktoren

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Zahlreiche Faktoren, die Blasenentzündungen fördern, kann man mehr oder weniger leicht selbst beeinflussen.

Das sind die Stellschrauben, mit denen man verhindern kann, dass man immer wieder an Blasenentzündungen erkrankt.

Hygienefehler

Fehler bei der Toilettenhygiene sind ein entscheidender Faktor dafür, dass die Bakterien aus der Analgegend zur Harnröhre gelangen.

Ganz wichtig ist, dass man sich immer von vorne nach hinten abwischt.

Bei einer Neigung zu Blasenentzündung muss die Toilettenhygiene noch intensiviert werden.

So sollte man nach jedem Stuhlgang die Afterregion gründlich waschen.

Auskühlen, z.B. kalte Füße

Kälte und Nässe sind zwei häufige Auslöser für Blasenentzündungen.

Schon unsere Großmütter wussten, dass man sich nicht verkühlen soll, weil sich sonst die Blase erkältet.

Inzwischen wird dieser Faktor auch von der Medizin für wichtig gehalten, auch wenn die meisten Blasenentzündungen letztlich bakterielle Infektionen sind.

Durch den Kältereiz und die schlechtere, kältebedingte Durchblutung werden die Blasennerven irritiert.

Zuerst melden die irritierten Blasennerven eine volle Blase, dann verkrampft sich die Blase.

Oft bleibt dann beim Wasserlassen eine gewisse Restharn-Menge zurück, in der sich eventuelle Bakterien wunderbar vermehren können. Bakterien sind schließlich omnipräsent im menschlichen Körper.

Die Verkrampfungen im Blasenbereich sorgen auch für eine schlechtere Durchblutung der Blasenschleimhaut. So wird sie empfindlicher für Bakterien und kann ihnen weniger Abwehrkräfte entgegensetzen.

Wenn man dann noch wenig trinkt, reizt der konzentrierte Harn die schon leicht entzündete Schleimhaut weiter.

So entsteht innerhalb kurzer Zeit aus kalten Füßen eine handfeste Blasenentzündung.

Wenig trinken

Wenn man generell wenig trinkt, ist der Urin meistens mehr oder weniger konzentriert.

Dieser konzentrierte Urin reizt die Blasenschleimhaut und die Harnröhre.

Außerdem muss man bei geringer Trinkmenge meistens seltener Wasser lassen. In dem Harn, der in der Blase verweilt, können sich Bakterien sehr gut vermehren und haben dann auch genügend Zeit, sich in der Blasenschleimhaut fest zu setzen.

Mit einer ausreichenden Trinkmenge (2 - 3 Liter pro Tag) spült man die Blase immer gut durch. So haben die Bakterien nicht viel Gelegenheit sich zu vermehren und festzusetzen.

Manche Menschen trinken wenig, damit sie seltener auf die Toilette gehen müssen.

Doch es ist prinzipiell ein Fehler, wenn man wenig trinkt, um seltener auf die Toilette gehen zu müssen. Außer zu häufigen Blasenentzündungen kann es dadurch zu chronischen Nierenschäden und zahlreichen anderen Gesundheitsbeschwerden wie beispielsweise Kopfschmerzen, Bluthochdruck oder Allergien kommen.

Wenn man regelmäßig viel trinkt, passt sich übrigens die Blase der gesteigerten Trinkmenge an. Sie ist nach einer Weile in der Lage, mehr Urin zu fassen, sodass man nicht häufiger auf die Toilette muss als bei geringer Trinkmenge. Der Urin ist dann jedoch stärker verdünnt und reizt die Blasenschleimhäute weniger.

Gereizte Schleimhäute

Wenn die Schleimhäute des Genitalbereiches gereizt sind, können sie sich kaum gegen Krankheitserreger wehren.

Daher sind gereizte Schleimhäute ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung einer Blasenentzündung.

Viele Faktoren können die Schleimhäute reizen, z.B. Chlor-Schwimmbäder, häufiger oder grober Geschlechtsverkehr, Katheter, raues Toilettenpapier, konzentrierter Urin oder Intimsprays.

Wenn man zu Blasenentzündung neigt, sollte man alles vermeiden, was die Schleimhäute reizt.

Nur so kann man regelmäßige Blasenentzündungen verhindern.

Häufiger Schwimmbad-Besuch

Regelmäßige Schwimmbad-Besuche zählen aus verschiedenen Gründen zu den Faktoren, die Blasenentzündungen begünstigen.

Daher treten im Hochsommer auch besonders viele Blasenentzündungen auf, fast genau so viele wie im tiefsten Winter.

Das Chlor im Wasser der meisten Schwimmbäder reizt die Schleimhäute. Wenn man sich oft oder lange Zeit darin aufhält, werden die empfindlichen Schleimhäute immer stärker gereizt und können eventuellen Bakterien dann nichts mehr entgegensetzen.

Auch Meerwasser reizt die Schleimhäute.

Daher sollte man sich nach dem Baden in Chlor- oder Meerwasser gründlich duschen, vor allem im Intimbereich.

Auch langes Schwimmen in Süßwasser-Seen kann, ebenso wie in Chlor- oder Meerwasser Blasenentzündungen begünstigen. Bei jedem Schwimmzug gelangt nämlich Wasser in den Scheidenbereich. Die Haut trocknet so auf Dauer aus und in empfänglicher für Infektionen aller Art. Immerhin sind saubere Süßwasser-Seen weniger reizend als Chlor-Schwimmbäder und das Meer.

Sehr wichtig ist auch, dass man nach dem Baden sofort den nassen Badeanzug auszieht und sich gründlich abtrocknet. Nasse Badeanzüge und Bikinis kühlen nämlich durch die Verdunstungskälte besonders stark aus. So kommt zur Schleimhautreizung noch die Verkühlung hinzu.

Reizung und Abflusshindernis durch Harnsteine

Harnsteine, die in der Niere oder in der Blase entstanden sind, begünstigen Blasenentzündungen in dreifacher Weise.

Die oft raue oder kristalline Oberfläche der Harnsteine reibt an der Blasenschleimhaut und reizt sie bis hin zur Verletzung.

Außerdem können sich rund um die Harnsteine Bakterien festsetzen und vermehren. Wenn die Steine in der Niere sitzen, geben sie die Bakterien immer wieder an die Blase ab und können wieder und wieder Blasenentzündungen verursachen.

Schließlich wirken Blasensteine häufig als Abflusshindernis. Der Harn kann nicht problemlos und vollständig entleert werden.

Harnsteine entstehen unter anderem durch Gicht, Diabetes, enge Harnröhre, bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Rhabarber) oder zu wenig trinken.

Außer zu Blasenentzündungen können sie auch zu Nierenbeckenentzündungen und zu überaus schmerzhaften Koliken führen.

Harnsteine können durch Ultraschall, teilweise durch Röntgenuntersuchung oder durch Blasenspiegelung entdeckt werden.

Kleine Blasensteine gehen im Rahmen einer Kolik ab, wenn man krampflösende Medikamente verabreicht. Größere Harnsteine werden meistens zertrümmert, damit sie abgehen können.

Häufiger Geschlechtsverkehr

Häufiger Geschlechtsverkehr kann die Entstehung von Blasenentzündungen fördern.

Der Zusammenhang ist sogar so deutlich, dass man auch von einer Flitterwochen-Zystitis spricht.

Einerseits kann allein die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs die Schleimhäute wund reiben. Es hängt aber auch davon ab, ob man grob oder sanft vorgeht, wie viel Geschlechtsverkehr die Schleimhäute aushalten.

Bei trockenen Schleimhäuten kann ein Gleitgel helfen, dass die Schleimhäute weniger stark gereizt werden.

Beim Geschlechtsverkehr muss man außerdem darauf achten, dass keine Bakterien von der Aftergegend in die Scheide oder die Harnröhrengegend gelangen können. Dazu ist eine gewisse Umsicht erforderlich und erhöhte Hygiene bei manchen Praktiken.

Bei Neigung zu Blasenentzündung ist es wichtig, dass sich beide Partner vor dem Geschlechtsverkehr Hände und Geschlechtsteile gründlich waschen.

Nach dem Geschlechtsverkehr sollte die zu Blasenentzündungen neigende Frau möglichst zeitnah Wasser lassen. Außerdem sollte sie ihre Geschlechtsteile erneut gründlich waschen.

Chemische Verhütungsmittel oder Diaphragma

Chemische Verhütungsmittel und einzuführende Gummigeräte wie Diaphragma oder Portiokappe erhöhen die Wahrscheinlich an einer Blasenentzündung zu erkranken.

Wenn man zu häufigen Blasenentzündungen neigt, sollte man auf andere Verhütungsmittel umsteigen.

Scheideninfektionen

Infektionen der Scheide können auf die Blase übergreifen.

Sie können auch für so geschädigte Schleimhäute sorgen, dass die üblichen Blasenentzündungs-Erreger ein leichtes Spiel haben.

Aus diesem Grund ist es doppelt wichtig, Scheidenentzündungen sorgfältig zu behandeln.

Wenn es häufig zu Scheideninfektionen kommt, kann man die Schleimhautflora mithilfe von Scheidenzäpfchen wieder aufbauen, die Milchsäurebakterien enthalten. Solche Zäpfchen kann man rezeptfrei in Apotheken kaufen. Auch Jogurt, den man in die Scheide appliziert, kann die Scheidenflora unterstützen.

Menstruation

Während der Menstruation sind die Schleimhäute meistens aufgequollen und empfindlich, sodass sich Bakterien leichter vermehren können. Blut ist zudem ein sehr guter Nährboden für Bakterien.

Außerdem kann es durch die Menstruation zu Hygiene-Problemen kommen.

Wenn man zu Blasenentzündungen neigt, sollte man besser auf Binden und Slipeinlagen verzichten und stattdessen Tampons verwenden.

Reizungen der Harnröhre, z.B. durch Katheter

Mechanische Reizungen der Harnröhre können die Harnröhren-Schleimhaut so reizen, dass Bakterien sich leicht vermehren können.

Ein Dauerkatheter in der Blase kann solch eine mechanische Reizung verursachen. Rund um den Katheter bildet sich zudem oft eine Schleimschicht, die ein guter Nährboden für Bakterien ist.

Auch selbst eingeführte Fremdkörper können die Harnröhre reizen und Blasenentzündungen bewirken.

Häufige Vollbäder

So angenehm ein langes, warmes Vollbad ist, so schädlich kann es für Blasenempfindliche sein.

Einerseits wirkt der Hitzereiz ähnlich auf manche Blase wie ein Kältereiz. Die Blase verkrampft sich und wird dadurch anfällig für Entzündungen. Man merkt diese Reaktion daran, dass man nach dem Bad häufig auf die Toilette muss.

Außerdem weicht das warme Wasser die Schleimhäute auf und trocknet sie aus. Badezusätze können diesen Effekt noch verstärken. Auch der Säureschutzmantel wird durch langes Baden zerstört.

Es bietet Bakterien zudem die Möglichkeit, bequem zur Harnröhre zu wandern, während man badet.

Wer zu häufigen Blasenentzündungen neigt, sollte auf ausgiebige und häufige Vollbäder verzichten. Wenn es unbedingt ein Vollbad sein muss, dann kann man sich ab und zu ein kurzes Vollbad gönnen, das nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauert.

Intimsprays

Intimsprays und spezielle Reinigungsmittel für die Intimzone reizen die Schleimhäute und zerstören den wichtigen Säureschutzmantel.

Bei häufigen Blasenentzündungen sollte man unbedingt auf Intimsprays und ähnliches verzichten.

Zur Reinigung der Intimzone verwendet man am besten ausschließlich Wasser. Wenn man das Bedürfnis nach mehr Reinigung hat, kann man alkalifreie Seifen verwenden (mit saurem Ph-Wert).

Trockene Schleimhäute

Wenn die Schleimhäute trocken sind, ist ihr Säureschutzmantel schwach und sie können sich nicht gut gegen Krankheitserreger wehren.

Manche Frauen neigen anlagebedingt zu trockenen Schleimhäuten.

Die Schleimhäute können aber auch durch häufiges Waschen, lange Vollbäder oder ausgiebiges Schwimmen austrocknen.

Durch Hormonmangel werden die Schleimhäute auch trocken.

Geschlechtshormon-Mangel, z.B. in den Wechseljahren oder PMS

In den Wechseljahren sinkt der Hormonspiegel des Östrogens und vorher noch der Spiegel vom Gelbkörperhormon Progesteron.

Wer unter PMS (Prämenstruelles Syndrom) leidet, hat häufig einen Progesteronmangel.

Wenn das Progesteron im Verhältnis zum Östrogen noch weniger ist, nennt man dies Östrogendominanz. Sie kann sogar dann auftreten, wenn gleichzeitig ein Östrogenmangel besteht.

Sowohl Östrogen als auch Progesteron sorgen für gesunde, kräftige Schleimhäute.

Wenn eines dieser beiden Hormone, oder gar beide, zu wenig produziert werden, kommt es unter anderem zu trockenen Schleimhäuten. Die Schleimhäute werden nicht nur trocken und verlieren ihren Säureschutzmantel, sondern sie werden auch dünner.

Auch das kleine Polster zwischen Harnröhre und Scheide schrumpft. Das erleichtert es den Bakterien, in die Harnröhre zu wandern.

Zur Behandlung dieser Schleimhautrückbildung braucht man keine Hormon-Ersatz-Therapie durchführen. Es reicht, wenn man eine niedrig dosierte Creme mit Progesteron beziehungsweise Östrogen (Östriol) regelmäßig aufträgt.

Solche Cremes sind verschreibungspflichtig und werden von guten Apotheken nach Rezept angerührt.

Wichtig ist, dass naturidentische Hormone verwendet werden.

Progesteron mit 1-3% und Östriol mit 1% Konzentration in einer Öl-in-Wasser Basis-Creme.

Seltene Blasenentleerungen

Wenn man nur selten zum Wasser lassen auf die Toilette geht, bietet der Harn in der Blase eventuellen Bakterien einen relativ guten Nährboden.

Außerdem wird die Blase und ihre Schleimhäute gereizt, wenn sie zu sehr gespannt sind, weil man das Wasser einhält.

Wenn der Grund für die seltenen Blasenentleerungen darin liegt, dass man wenig trinkt, ist der Urin zudem konzentriert und reizt die Schleimhäute zusätzlich.

Schwaches Immunsystem

Ein schwaches Immunsystem ermöglicht es den Bakterien, sich stark zu vermehren, ohne auf ausreichende Gegenwehr zu stoßen.

Daher ist ein gutes Immunsystem wichtig, um Blasenentzündungen zu verhindern.

Viele Faktoren schwächen das Immunsystem, beispielsweise Stress, ungesunde Ernährung, Vitaminmangel, Bewegungsmangel, Schlafmangel oder Umweltverschmutzung.

Für ein starkes Immunsystem ist eine gesunde Lebensweise sehr wichtig.

Manche Medikamente, z.B. Kortison

Einige Medikamente schwächen das Immunsystem. So können sie unter anderen die Entstehung von Blasenentzündungen fördern.

Eines dieser Medikamente ist Kortison. Kortison macht außerdem die Haut und Schleimhäute dünner und setzt ihre Widerstandskraft herab.

So werden Blasenentzündungen auf zweifache Weise gefördert.

Stress

Bei manchen Menschen beginnen Blasenentzündungen häufig in oder nach besonders stressigen Situationen. Bei Dauerstress kommt es dann immer wieder zu Blasenentzündungen.

Zu viel Stress belastet das Immunsystem und das kann unter anderem zu Blasenentzündungen führen.

Wenn man mit Blasenentzündungen auf Stress reagiert, ist dies ein deutliches Zeichen, dass man sich zu viel zumutet. Der Körper sendet durch die Blasenentzündung eindeutige Signale, dass es ihm zu viel ist.

Auf diese Hilfe-Rufe des Körpers sollte man unbedingt hören und etwas kürzer treten. Denn wenn man sich auf Dauer mehr zumutet als man bewältigen kann, kommt es nach und nach zu immer mehr Krankheiten. Am Ende kommt es oft zu chronischen Erkrankungen, die man teilweise nicht mehr heilen kann.

Mit kleinen Kindern und Beruf ist es für viele Frauen jedoch schwierig, einen Gang zurück zu schalten. Freie Stunden müssen sich mühsam erkämpft werden. Wenn möglich, sollte man sich am besten Hilfe suchen, damit man ab und zu entlastet ist. Im Zweifelsfall kann man auch auf das perfekte Putzen der Wohnung verzichten und nur das Nötigste erledigen. Eine gute Gesundheit ist wichtiger als ein perfekter Haushalt.

Dass es auch dann für Viele nicht einfach ist, sich stressfreie Stunden zu nehmen, ist unbestritten. Es lohnt sich jedoch, sich ernsthaft dafür einzusetzen. Unterm Strich wird man nicht nur mit einer besseren Gesundheit belohnt, sondern man hat auch bessere Nerven für die Herausforderungen des Lebens, seien es Kinder, Partner oder Arbeit.



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