Interstitielle Cystitis

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Die interstitielle ist eine bislang relativ unbekannte Erkrankung deren Symptome denen einer bakteriellen Blasenentzündung ähneln.

Es ist jedoch kein Krankheitserreger zu finden. Daher wird bei den Betroffenen häufig eine Reizblase vermutet.

Bei einer interstitiellen Cystitis ist die Blase jedoch nicht nur gereizt, sie ist tatsächlich entzündet.

Allerdings ist bei der interstitiellen Cystitis nicht der Innenraum der Blase mitsamt Schleimhaut entzündet, sondern das Gewebe der Blasenwand mit Muskeln und Bindegewebe. Dieses Gewebe kommt normalerweise nicht mit dem Harn in Berührung, daher können auch keine Bakterien im Harn festgestellt werden.

Meistens wird die interstitiellen Cystitis erst sehr spät erkannt. Daher ist diese Entzündung oft schon weit fortgeschritten und die Patientin hat einen langen Leidensweg hinter sich, wenn endlich feststeht, dass es sich um eine interstitielle Cystitis handelt.

Von der interstitiellen Cystitis können sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein. Frauen sind jedoch neun bis zehn Mal häufiger betroffen als Männer.

Symptome einer interstitiellen Cystitis

Die Symptome der interstitiellen Cystitis ähneln einer bakteriellen Blasenentzündung oder einer Reizblase.

Es kommt in erster Linie zu:

·         Häufigem Harndrang

·         Schmerzhaftem Harndrang

·         Geringer Harnmenge je Toilettengang

·         Schmerzen im Unterleib

 

Menschen, die unter einer interstitiellen Cystitis leiden, müssen teilweise bis zu 60 Mal pro Tag auf die Toilette gehen.

Folgende Kriterien sprechen gegen eine interstitielle Cystitis:

·         Harnmengen über 350 ml bei einem einzelnen Toilettengang

·         Unter acht Toilettengänge pro Tag

·         Beschwerden kürzer als neun Monate

·         Harnsteine

·         Kürzlich durchlebte bakterielle Blasenentzündung

·         Entkrampfende Mittel helfen

·         Antibiotika helfen

Diagnose der interstitiellen Cystitis

Die Diagnose einer interstitiellen Cystitis ist, wie bei einer Reizblase, in erster Linie eine Ausschlussdiagnose.

Meistens wird jedoch eine Blasenspiegelung vorgenommen, um die Diagnose zu erhärten. Wenn die Blase bei dieser Spiegelung durch eine Kochsalzlösung gedehnt wird, entstehen punktförmige Schleimhautblutungen, die typisch für interstitielle Cystitis sind.

Außerdem sollte eine Biopsie der Blasenschleimhaut vorgenommen werden. Bei der Biopsie kann man Schädigungen der Schutzschicht, eine erhöhte Nervendichte und vermehrte Mastzellen feststellen. Dies ist jedoch keine Standarduntersuchung, sondern man muss gezielt nach diesen Merkmalen suchen.

Wenn diese aufwendigen Untersuchungen unterbleiben, kann eine interstitielle Cystitis relativ leicht mit einer Reizblase verwechselt werden.

Das ist für die Betroffen oft ein großes Problem, denn ihre ständigen Schmerzen und Probleme werden meistens als psychisch bedingt betrachtet, obwohl bei ihnen ein echter, chronischer Entzündungsprozess vorliegt.

Ursachen einer interstitiellen Cystitis

Als die Haupt- Ursache für eine interstitielle Cystitis wird eine besonders durchlässige Blasenschleimhaut angenommen. Durch diese Blasenschleimhaut gelangen verschiedene Reizstoffe des Urins zu den Zellen der Blasenwand. Normalerweise ist die Blasenwand vor den Inhaltstoffen des Urins durch die Schleimhautschicht geschützt.

In der gereizten Blasenwand vermehren sich als Reaktion auf die Reizung die Nervenfasern besonders stark. Das kann zu ausgeprägten Schmerzwahrnehmungen führen.

Die Reizung der zahlreichen Nervenfasern führt zu einer entzündlichen Reaktion. Daraufhin wird Histamin freigesetzt, was den Entzündungsprozess noch verstärkt.

Histamin wird normalerweise bei allergischen Reaktionen oder bei Autoimmunkrankheiten wie Rheuma freigesetzt.

Daraus kann man schließen, dass die interstitielle Cystitis möglicherweise eine Autoimmunerkrankung ist.

Weitere ursächliche Faktoren für eine interstitielle Cystitis können giftige Harnbestandteile oder ein hormonelles Ungleichgewicht sein.

Letztlich ist die Ursache für die interstitielle Cystitis noch nicht geklärt.

In den nächsten Jahren könnten sich noch wichtige neue Erkenntnisse ergeben.

Behandlung der interstitiellen Cystitis

Da die Ursache für die interstitielle Cystitis noch nicht geklärt ist, kann man die Erkrankung auch noch nicht ursächlich behandeln.

Die Behandlung beschränkt sich daher auf das Lindern der Symptome.

Dazu muss man oft zahlreiche Medikamente ausprobieren, bis man eines findet, das in der persönlichen Situation hilft.

Folgende Medikamente werden zur Behandlung der interstitiellen Cystitis versucht:

·         Schmerzmittel

·         Kortikoide (Kortison-Präparate)

·         Antiallergika

·         Prostaglandine

·         Spasmolytika (Krampflösende Mittel)

·         Immunsuppressiva

·         Antidepressiva

·         Pentosanpolysulfat

·         L-Arginin

 

Manche Medikamente werden auch mithilfe eines Katheters direkt in die Blase gespritzt.

Damit die Schmerzen nicht zu einem Teufelskreis führen, sollte bei starken Schmerzen eine gezielte Schmerztherapie durchgeführt werden.

Gegen die Schmerzen können mitunter auch nichtmedikamentöse Methoden helfen, wie Autogenes Training, Akupunktur, TENS, Muskelrelaxation nach Jakobson, Massagen oder Gymnastik.

Wenn all diese Behandlungsversuche nicht helfen und die Beschwerden sehr ausgeprägt sind, wird manchmal durch eine Operation eine Linderung der Beschwerden versucht.

Zunächst wird versucht, ob ein Dehnen der Blase mit Wasser eine Verbesserung bringt.

Falls nicht, kann auch ein Teil oder die gesamte Blase entfernt werden und der Harn über den Darm umgeleitet werden. Da dies ein sehr massiver Eingriff ist, werden zuvor alle anderen Möglichkeiten der Behandlung durchprobiert.



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